Der Fall Rico
Ende April platzte die
Bombe: Beamte des Landeskriminalamts
Niedersachsen durchsuchten die Wohnräume des geschäftsführenden Ricö-Gesellschafters Jens P, der beiden vormaligen Geschäftsführer in Osterode, sowie die Speditionsräume in Osterode und in Schopsdorf. Kistenweise seien Unterlagen beschlagnahmt worden, heißt es in der gemeinsamen Meldung des Landeskriminalamts und der Staatsanwaltschaft Braunschweig.
„Verdacht auf Insolvenzverschleppung. Untreue, Betrug und auf unrichtige Darstellung (Bilanzfälschung)", führt Jutta Schlecht, Staatsanwältin der Staatsanwaltschaft Braunschweig, gegen die Geschäftsführung ins Feld. Diese Vergehen werden mit hohen Freiheitsstrafen geahndet. Allein bei Betrug drohen bis zu fünf Jahren Haft, in besonders schweren Fällen sogar bis zu zehn Jahre. Rico soll seit Sommer 2007 Vermögen der Gesellschaft in Form von Grundstücken, Immobilien und Fahrzeugen vor Insolvenzantragstellung beiseite geschafft haben, um diese in andere Unternehmen zu überführen und so der Insolvenzmasse zu entziehen. An diesen anderen Unternehmen sind die Ricö-Geschäftsführer zumindest beteiligt. Darüber hinaus besteht der Verdacht, dass in großem Stil Fahrzeuge und Maschinen an Leasinggesellschaften verkauft und zugleich wieder angemietet wurden. Tatsächlich aber hätten die Fahrzeuge und Maschinen nicht existiert. Das Geschäft fand nur auf dem Papier statt. Möglicherweise stecken die Leasinggesellschaften zumindest teilweise mit Rico unter einer Decke. mutmaßt die Staatsanwaltschaft. Da Rico nur Großkunden-auftrag geblieben ist, können laut Insolvenzerwalter Torsten Gutmann vor den ursprünglich knapp 950 Mitarbeitern nur 70 fort beschäftigt werden: 50 zur Erfüllung des Auftrags, 20 zur geordneten Abwicklung des Vermögens. Zunächst hieß es noch, knapp ein Drittel der Beschäftigter Könne bleiben. Die Zahlung der Gehälter bis Ende April ist laut Gutmann auch für die gekündigten Arbeitnehmer gesichert. Momentan sucht er Käufer für den Großteil der Fahrzeuge und einen Investor. Den Termin Mitte Mai (siehe Interview) konnte er nicht einhalten.